Ein Schweizer Bürger ist ein Schweizer Bürger. Oder doch
nicht? Wie definiert sich ein Eidgenosse? Ist er neutral, korrekt und
arbeitstüchtig? Oder doch eher altmodisch, egozentrisch und geizig? Wer ist
dieser typische Schweizer? Was macht ihn aus, womit beschäftigt er sich und
wozu dient er in dieser globalen Welt?
Vor allem eine Sache scheint sehr wichtig für ihn zu sein -
Tradition. Jedenfalls wird sie als heilige Kuh und Wurzel jedes Eidgenossen
angesehen. Sie wird nahezu vergöttert und als Privileg bezeichnet. Wehe dem,
der sich an der Helvetia vergeht, Schande gegenüber Opportunisten in unserem
heiligen Reich. Schweizer zu sein heisst Traditionalist zu sein. Traditionalist
zu sein bedeutet seinen Wurzeln und seinen Vätern treu zu bleiben, was immer
auch geschehen mag- was immer auch das heissen mag.
Merkst du, wir verzetteln uns.
Ich habe gerne zugehört, wenn
ein Stammtischpolitiker die Ideale eines Schweizers aufzählte und damit
propagierte - auch wenn dies nur die bärtigen Säufer am selben Tisch und die
lethargische Serviertochter mitbekamen. Mein Ohr widmete sich auch jenen, die
sich als Patriot bezeichneten und jegliche ausländische Produkte als
Kulturschock und Landes-Verunreinigung charakterisierten.
Fakt ist, Tradition ist nichts negatives. Es ist schön, alte
Werte aufrecht zu erhalten. Es ist wunderbar, sich für seine Väter einzusetzen
und nicht alles zu akzeptieren, was von weit her zu kommen scheint.
Patriotismus und Historik soll niemals verloren gehen, wie auch Kultur und
Vorbilder der alten Zeit.
Doch... Jetzt kommt das grosse „Doch“. Es ist an der Zeit,
Realismus als wichtigste Eigenschaft eines jeden Menschen zu bestimmen. Die
ganze Welt redet den ganzen Tag vor sich hin, als wäre der Ausnahmezustand
ausgebrochen. Jedes Land nützt seine Probleme aus, um Ethik ins Spiel zu
bringen. Es fängt zuoberst an und endet im Keller. Politiker reden nicht
sachlich, sondern verallgemeinert. Sie erwähnen die zahlreichen Probleme ihres
Zuständigkeitsbereiches, doch sprechen selten von Lösungen. Man stellt Initiativen
und neue Gesetze ins Volk, als hätte man nichts anderes im Sinne, als das Volk
gegenseitig aufzuhetzen und zuzuschauen, wie sich die Menschen jeden Tag mehr
und mehr anpöbeln.
Doch um beim Thema zu bleiben erwähne ich wieder das Wort
„Tradition“. Wenn es darum geht, die Schweiz auf Vordermann zu bringen, Dinge
zu ändern, global zu werden und wirtschaftlich präsent zu sein, ist die
Traditionswahrung an vorderster Stelle.
Doch seien wir mal ehrlich. Schon lange haben wir unsere
Werte an Aldi und Lidl verkauft, unsere Bedürfnisse an Steve Jobs und Mark
Zuckerberg verschenkt und vor allem unsere Infrastruktur bestimmen die Investoren
von gigantischen internationalen Firmen. Multikulti ist seit mehreren Jahren
schon über unsere Grenzen geschlendert und hat sich langsam, aber dafür fest
verankert, in unserem Land eingenistet. Fussballclubs werden von Russen gekauft und in neue Sitten eingetaucht. Unsere Spitäler, wie auch die Patienten
belagern die Germanen. Aber auch in KMU`s oder grösseren Unternehmen arbeiten sich hohe ausländische Tiere in die Schweiz hinein, ohne die schweizerischen Angewohnheiten und Arbeitstätigkeiten im aktuellen Zustand zu akzeptieren. Im Gegenteil- sie versuchen stets die Schweiz zu globalisieren um dem konventionellen lokalen Denken den goldenen Schuss zu geben.
Unsere Aussenpolitik ist relevanter geworden und
auch die Schweizer Sprache, vor allem gewisse Dialekte werden von Immigranten
beeinflusst. Die Schweiz hat sich verändert und an Tradition verloren,
Punkt. Ob das gut oder schlecht ist, sei dahingestellt. Was aber sicher ist,
ist der Realismus an diesem Aspekt.. Wie jeder Baum danach strebt zu wachsen
und jede Knospe anfängt zu blühen, versucht sich auch jedes Land
weiterzuentwickeln. Man sollte die guten Sachen darin beobachten, die
schlechten eher weglassen, doch niemals aufhören sie zu kritisieren. Denn sonst
stirbt auch der letzte Funken an der ach so heiligen Tradition.
"Tradition ist erst dann
erkennbar, wenn sie vom Aussterben bedroht ist."
Koile