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Dienstag, 25. Oktober 2011

Ice Tea im Bordell


Paul hat jetzt Internet. Paul hat jetzt ein neues Notebook. Zufriedenheit ist jetzt kein Fremdwort mehr. Doch Paul hat keine Frau, somit auch keine Zärtlichkeiten am Abend, keine meist nervenden Ratschläge am Mittagstisch, der von einer solchen gedeckt wurde. Paul setzt sich Abends nicht an den Tisch und besteht auf ein warmes Essen. Stattdessen setzt er sich jeden Abend vor den Fernseher, trinkt seinen kalten Ice Tea und schlürft mit einem Strohhalm aus dem Aldi sein Yoghurt, das aus der selben Gesellschaft erworben wurde. Paul ist... 
Ja eigentlich ist er nichts.
Jedoch hat Paul jetzt Internet. Und Paul hat jetzt ein neues Notebook. Er öffnet die elektronische Partnerschaftsvermittlung und sieht sich den Markt genauer an. Es ist wie eine Börse, jedoch ohne Index und steigenden Wert von Papieren. Dieser Markt ist etwas ganz besonderes, denn dort stellen sich Individuen zur Verfügung, um kennengelernt, besser gesagt; flachgelegt zu werden. Ach nein, da gibt es ja noch solche die wirklich Kinder von Männern wollen, die sie mit einer Tastatur ergattert haben. Jedoch ist das sehr gut für Paul, der eigentlich ein sehr lieber Kerl ist und eine relativ sichere Arbeitsstelle bestitzt. Er surft und surft- leider nur im Internet.
Da... Karin, die blonde Ungarin mit „Monster-Titten“ und „Tanz-Arsch“. Ulrike, die reife Hausfrau aus Deutschland die es gern mit dem Besen macht. Oder doch lieber Fabienne, die dicke Französin, die sehr gut Französisch kann?
Paul kann sich nicht entscheiden und bucht die Frau, die er am liebsten am Frühstückstisch hätte. Die Frau mit den „Monster-Titten“.
Er trifft sich.
Karin, falls sie es vergessen haben- die mit den Monstertitten, liegt in seiner Sichtweite. Er hat sich mit ihr auf dem Paradeplatz in Zürich verabredet. Zu einem Kaffee versteht sich.
Er setzt sich. Sie setzt sich auch, jedoch ein bisschen verzögert, da man ihm mit dem „Tanz-Arsch“ nicht zuviel versprochen hat. Er fragt sie, was sie bestellen möchte, doch Karin schaut ihn an, als hätte sie sich gerade den Stuhlgang nicht verkneifen können. Karin macht nur eine einzige Geste, die ihre Sucht zu Nikotin offenbart. Sie packt Zigaretten aus ihrer gefälschten Louis Vuitton Tasche aus und zündet sich eine an. Was soll das- denkt sich Paul, der sich gerade einen Ice Tea bestellt hat. Er versucht weiterhin das Gespräch aufzubauen und setzt sich näher zu Karin. Diese weist seine Annäherung mit einem Umlaut ab, den er nicht versteht. Wahrscheinlich nur etwas östliches Gerede- denkt sich Paul und stellt sich Putin mit langen Haaren vor.
Er legt seine rechte Hand auf ihren Oberschenkel und versucht es mit Englisch: „Äi eem Pool, hau aar yuu?“ Weiterhin stilles Schweigen von Karin.
Paul ist genervt, bezahlt den Ice Tea und macht sich auf die Socken. Als er Abends nach Hause kommt ist alles noch beim alten. Paul bestellt sich eine Pizza und ein Six-Pack Ice Tea. Er schläft ein und träumt von einer ungarischen Hochzeit.

Am nächsten Tag nach der Arbeit, macht er sich mit seinen Arbeitskollegen auf eine Sauftour in der Stadt. Als der Abend so richtig lustig zu werden scheint, begeben sie sich in das schlechteste Bordell der Stadt um so richtig einen drauf zu machen. Mark, sein bester Freund, bestellt den billigsten Sekt im Angebot und lässt sich von zwei Frauen umgarnen. Paul jedoch ist deprimiert und hat schon fast schlechtes Gewissen, da er dies seit fast fünf Jahren so macht. Fast die Hälfte jedes Monatslohnes bezahlt er für solche Spritztouren, die ihm schlussendlich doch nur Trost schenken. Als er sich aber umdreht, traut er seinen Augen kaum.
Karin.
Karin ist eine Hure.
Karin verkauft sich für Sex und ist eine Hure.
Karin, die nicht Deutsch kann und sich mit ihm getroffen hat, verkauft sich für Sex und ist eine Hure.
Doch irgendwie sieht sie anders aus, oder er nimmt sie anders wahr, denn gerade hat er sich bis über beide Ohren verliebt. Er versucht sie nochmals anzusprechen, wobei er doch eigentlich weiss, dass sie nur das versteht, woher sie gekommen ist- Bahnhof.
Er lädt sie zu schlechtem Sekt ein und sie bietet ihm die Hand, um sofort zur Sache zu gehen. Er folgt ihr auf ihr Zimmer. Auf dem Nachttisch liegt Toilettenpapier und Billigkondome. Sie setzt sich auf das Bett und fängt wieder an wie Putin zu reden. Paul verkehrt mit ihr für eine halbe Stunde. Er zieht sich seine Jeans wieder an, bezahlt und ruft Mark.
Paul geht nach Hause. Er ist zufrieden- er hat jetzt Internet und ein neues Notebook.


Koile

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