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Dienstag, 8. März 2011

Kreis der Zeit


Es ist Zeit. 17.00 Uhr- Ich fahre nach Hause. Auf der Heimfahrt schleicht sich wieder dieser Tunnelblick in meine Wahrnehmung, wie jedes Mal. Innerorts mit 80 Stundenkilometern- ich will so schnell wie möglich nach Hause. Könnte ja was verpassen. Obwohl ich noch nichts vorhabe mit dem heutigen Abend, versuche ich ihm zu entfliehen- dem Alltag. Ich reise mit meinem Pickup von der Arbeit zu meiner Freizeit. Eine Pilgerfahrt die sich positiv auf meine Psyche auswirkt, mir ein gewisses Gefühl ermittelt. Das Gefühl, endlich frei zu sein. Das Radio spielt dieselbe Musik- wie jeden Tag. Das Gaspedal verhält sich konstant und kontrolliert- Routine. Der monotone Klang des Motors übertönt fast den Song von REM und neben mir sitzt immer derselbe Typ wenn ich nach Hause fahre- Niemand.
Zuhause angekommen parkiere ich am Parkplatz neben dem Anhänger von meinem Vater- wie jedes Mal. Ich schalte den Motor aus, nur den Motor, da ich noch ein bisschen Radio hören will. Obwohl ich nicht zuhöre mach ich es- wie immer. Es ist ein kurzer Gedankentrip durch den vergangenen Tag. Ich wirke äusserlich wohl ziemlich apathisch in diesem Moment, doch innerlich ist dies ein regelrechter Orgasmus meiner Sinne, für die ich sonst keine Zeit investieren kann. Jetzt schalte ich das Radio aus und schliesse die Augen. Diese Ruhe des Nichts, dieser Zigarettengeruch in meiner Nase, der sich im Laufe der Jahre durch meinen Vorarbeiter ergeben hat, diese Wärme in meiner Arbeitsjacke die ich immer noch nicht ausgezogen habe und diese momentan bequeme Körperhaltung auf dem Fahrersitz meines Pickup`s. Einfach unglaublich dieser Moment. Dieses Gefühl allein zu sein und doch die ganze Welt durch meine Gedanken zu spüren. Doch lange hält dieses Glück nicht an- Flashback. Was folgt sind wieder diese verdammten Depressionen- zwar nur für kurze Zeit, doch dennoch sehr intensiv. Ich mach mir wieder Vorwürfe über mein Dasein in dieser Welt, als wäre ich auch nur eine auswechselbare Schraube dieses Systems. Jedes Mal geht mir dasselbe durch den Kopf und niemals verändert sich irgendwas- wie jedes Mal.
Es reicht. Ich steige aus und bewege meine Schlüssel so, dass es jeder hört- wie jedermann. Ich laufe hinunter zu der Unterführung, die mich zu meiner Haustüre leitet und öffne sie- mit demselben Schlüssel. Ich schreite zum Lift und hoffe, dass niemand sich mir anschliesst. Denn hier will ich allein sein, mich im Spiegel ansehen und tief seufzen- wie immer. Liftfahren...
Der Weg zu meiner Wohnungstüre beengt mich, doch trotzdem schaffe ich es, meine Schuhe auszuziehen- nichts besonderes, immer dasselbe. Ich mache die Türe auf und heuchle meiner Mutter ein herzliches „Hallo“ entgegen. Sie ist erfreut und fragt wie es mir geht- wie jeden Tag. „Klar Mutter, mir geht es gut. Wie immer!“, erwidere ich. Die Pforten meines Zimmers sind offen und ich betrete es mit gesenktem Haupt, ziehe meine Jacke und meine Hosen aus und falle auf mein Bett- wie jeden Abend. Der Abend verläuft sehr gut, habe mich mit Sport und meinen besten Freunden beschäftigt. Doch irgendwas fehlt, ich weiss nur nicht was- wie jedes Mal. Um 23.50 decke ich mich zu und höre Musik- immer die selbe Genre.
Ding Ding Ding! Der Wecker klingelt, es ist Dienstag Morgen- wie jeden Dienstag. Ich steh auf, setze meine Linsen in meine Augen und nehme drei Pillen zu mir. Eine Frucht- Gemüse und Magnesium-Pille, die mein morgentliches Frühstück ersetzen sollten. Angezogen habe ich mich natürlich schon, somit putze ich mir die Zähne und verabschiede mich von meiner Mutter- wie jeden Morgen. Ich schreite in den Lift- hoffentlich ist er noch nicht besetzt. Ich schaue auf das LCD-Display und zähle mit. Vierter, Dritter, Zweiter, Erster Stock- Endlich, das Erdgeschoss. Ich muss mich beeilen. Bin schon 5 Minuten zu spät- wie jeden Tag. Ich jogge zu meinem Pickup und betätige die Zündung. Er springt sofort an- wie jedes Mal. Ich fahre zur Arbeit. Ich fühle mich stoned, denn meine Augen sind immer noch auf Halbmast- wie jede Fahrt.
Ich könnte kotzen und denke daran, was wohl wäre, wenn ich irgend etwas anders gemacht hätte in meinem Leben. Wenn ich zum Beispiel nicht immer dasselbe getan hätte- Wie jedes Mal!

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