Es ist
Zeit. 17.00 Uhr- Ich fahre nach Hause. Auf der Heimfahrt schleicht sich wieder
dieser Tunnelblick in meine Wahrnehmung, wie jedes Mal. Innerorts mit 80
Stundenkilometern- ich will so schnell wie möglich nach Hause. Könnte ja was
verpassen. Obwohl ich noch nichts vorhabe mit dem heutigen Abend, versuche ich
ihm zu entfliehen- dem Alltag. Ich reise mit meinem Pickup von der Arbeit zu
meiner Freizeit. Eine Pilgerfahrt die sich positiv auf meine Psyche auswirkt,
mir ein gewisses Gefühl ermittelt. Das Gefühl, endlich frei zu sein. Das Radio
spielt dieselbe Musik- wie jeden Tag. Das Gaspedal verhält sich konstant und
kontrolliert- Routine. Der monotone Klang des Motors übertönt fast den Song von
REM und neben mir sitzt immer derselbe Typ wenn ich nach Hause fahre- Niemand.
Zuhause
angekommen parkiere ich am Parkplatz neben dem Anhänger von meinem Vater- wie
jedes Mal. Ich schalte den Motor aus, nur den Motor, da ich noch ein bisschen
Radio hören will. Obwohl ich nicht zuhöre mach ich es- wie immer. Es ist ein
kurzer Gedankentrip durch den vergangenen Tag. Ich wirke äusserlich wohl
ziemlich apathisch in diesem Moment, doch innerlich ist dies ein regelrechter
Orgasmus meiner Sinne, für die ich sonst keine Zeit investieren kann. Jetzt
schalte ich das Radio aus und schliesse die Augen. Diese Ruhe des Nichts,
dieser Zigarettengeruch in meiner Nase, der sich im Laufe der Jahre durch
meinen Vorarbeiter ergeben hat, diese Wärme in meiner Arbeitsjacke die ich
immer noch nicht ausgezogen habe und diese momentan bequeme Körperhaltung auf
dem Fahrersitz meines Pickup`s. Einfach unglaublich dieser Moment. Dieses
Gefühl allein zu sein und doch die ganze Welt durch meine Gedanken zu spüren.
Doch lange hält dieses Glück nicht an- Flashback. Was folgt sind wieder diese
verdammten Depressionen- zwar nur für kurze Zeit, doch dennoch sehr intensiv.
Ich mach mir wieder Vorwürfe über mein Dasein in dieser Welt, als wäre ich auch
nur eine auswechselbare Schraube dieses Systems. Jedes Mal geht mir dasselbe
durch den Kopf und niemals verändert sich irgendwas- wie jedes Mal.
Es reicht.
Ich steige aus und bewege meine Schlüssel so, dass es jeder hört- wie
jedermann. Ich laufe hinunter zu der Unterführung, die mich zu meiner Haustüre
leitet und öffne sie- mit demselben Schlüssel. Ich schreite zum Lift und hoffe,
dass niemand sich mir anschliesst. Denn hier will ich allein sein, mich im Spiegel
ansehen und tief seufzen- wie immer. Liftfahren...
Der Weg zu
meiner Wohnungstüre beengt mich, doch trotzdem schaffe ich es, meine Schuhe
auszuziehen- nichts besonderes, immer dasselbe. Ich mache die Türe auf und
heuchle meiner Mutter ein herzliches „Hallo“ entgegen. Sie ist erfreut und
fragt wie es mir geht- wie jeden Tag. „Klar Mutter, mir geht es gut. Wie immer!“,
erwidere ich. Die Pforten meines Zimmers sind offen und ich betrete es mit
gesenktem Haupt, ziehe meine Jacke und meine Hosen aus und falle auf mein Bett-
wie jeden Abend. Der Abend verläuft sehr gut, habe mich mit Sport und meinen
besten Freunden beschäftigt. Doch irgendwas fehlt, ich weiss nur nicht was- wie
jedes Mal. Um 23.50 decke ich mich zu und höre Musik- immer die selbe Genre.
Ding Ding
Ding! Der Wecker klingelt, es ist Dienstag Morgen- wie jeden Dienstag. Ich steh
auf, setze meine Linsen in meine Augen und nehme drei Pillen zu mir. Eine
Frucht- Gemüse und Magnesium-Pille, die mein morgentliches Frühstück ersetzen
sollten. Angezogen habe ich mich natürlich schon, somit putze ich mir die Zähne
und verabschiede mich von meiner Mutter- wie jeden Morgen. Ich schreite in den
Lift- hoffentlich ist er noch nicht besetzt. Ich schaue auf das LCD-Display und
zähle mit. Vierter, Dritter, Zweiter, Erster Stock- Endlich, das Erdgeschoss.
Ich muss mich beeilen. Bin schon 5 Minuten zu spät- wie jeden Tag. Ich jogge zu
meinem Pickup und betätige die Zündung. Er springt sofort an- wie jedes Mal.
Ich fahre zur Arbeit. Ich fühle mich stoned, denn meine Augen sind immer noch
auf Halbmast- wie jede Fahrt.
Ich könnte
kotzen und denke daran, was wohl wäre, wenn ich irgend etwas anders gemacht
hätte in meinem Leben. Wenn ich zum Beispiel nicht immer dasselbe getan hätte-
Wie jedes Mal!

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