Die Bücher
haben sich vor meinem Macbook platziert und schauen mich an, als hätten sie
nichts anderes zu tun. Elektrotechnik, NIN, Fachzeichnen und all dieser ganze
Mist. Lernstoff für Menschen, die sich den Normen der Technik hinknien wollen.
Statt zu lernen kann ich abgesehen von Katzen und Seelenengeln an nichts
anderes denken als an das Chaos, dass sich momentan auf unserem Planeten abspielt.
Das Jahr 2011, ein Vorspiel zum totalen Terror- sei es in der Wirtschaft wie
auch Ökologisch. Die Lage ist prekär im Osten, die Leute frustriert, da die
Folgen des Fortschritts für Energie und der Leichtsinn der Menschheit ihre
Existenz geraubt haben.
Als ich
heute in der Schule sass und gequirlte Scheisse in meine Ohren bekommen musste
von Spannungsdämpfungen und LNB`s, jagte es mir einen dicken Stein in meinen
Hals. Kein Wort verlor er über Japan, kein Laut liess er über diese
Katastrophe- unser Lehrer. Alles war ziemlich üblich, als wäre nichts
geschehen. Als ziehe sich ein konstant verlaufendes Band durch sein Leben. Ich kriege
tagtäglich Blut und Tod zu sehen, jedenfalls im Fernsehen, doch irgendwie kommt
mir dies immer noch so surreal vor.
Mir ist
klar, dass meinem Lehrer sein Fach nicht der Allgemeinbildung entspricht. Mir
ist ebenfalls klar, dass er seinen verfluchten Stoff mit uns durchgehen muss.
Doch was mich zutiefst stört, lässt sich durch moralisch nicht korrekte Aspekte
definieren. Japan liegt zwar ziemlich weit entfernt. Doch was dort passiert
ist, ist eine globale Katastrophe, die zur Prävention unserer atomaren Energie
aufruft. Die Menschheit hat in diesen Tagen bewiesen, dass wir anstatt
vorzubeugen, doch nur reagieren können. Unser aller Leben hängt leider doch nur
an einem seidenen Faden und nicht an einem Hanfseil- wir sind nicht
unsterblich. Doch da wir einen rasanten Fortschritt „erleiden“ müssen, gehen
wir auch die Risiken ein, mit denen wir Poker spielen. Strip-Poker um die Welt,
denn langsam heisst es; „Hosen runter“. Mein Lehrer verlor immer noch kein Wort
darüber und prahlte weiter von „DB-MykroVolt“ und liess uns unsere Aufgaben
weiterhin lösen. Ich versuchte jetzt meinen Taschenrechner rauszuholen und mich
auf dieses Fach zu konzentrieren. Keine Chance. Stattdessen möchte ich jetzt nichts
anderes als nach Japan fliegen, um die Lage dort selbst beurteilen zu können.
Doch da meine Möglichkeiten begrenzt sind und ich nicht als internationaler
Korrespondent arbeite- mit einer Sonderbewilligung zum Luftverkehr natürlich,
sitze ich immer noch im Schulzimmer. Müde Stimmung liegt in der Luft, die
seelische Abwesenheit ist meinen Schulkameraden leicht anzusehen. Sogar die
herumschwirrende Eintagsfliege scheint mehr Aufmerksamkeit geschenkt zu bekommen
als unser Diktator vor der Wandtafel. Ja auch er scheint nicht sonderlich
begeistert darüber zu sein, hier zu stehen und uns etwas vorzutragen, was er
schon seit 20 Jahren behandelt- als würde er auf seine Pensionierung beharren.
Dennoch...
Dennoch...
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| Tschernobyl |
Auch wenn
ihr euer schlechtes Gewissen mit „Ach Japan, unser Herz gehört euch“, oder
Anti-atomaren Aufrufen im Internet besänftigt, bleibe ich immer noch verwirrt
darüber, wie schnell wir unsere Meinung, die wir doch seit Jahrzehnten
beibehalten haben ändern. Unsere Sichtweise ist wohl schneller umzulenken als
wir alle gedacht haben.
Neulich
erwähnt man Aussagen von gewissen Bürgern die sich einer Abschaltung aller AKW`s
anschliessen würden. Ich möchte ihre Gesichter sehen, wenn sie kein Strom mehr
in ihrer armseligen Wohnung mehr hätten und rumjammern. Eine widersprüchliche
Konsumgesellschaft die nur immer das gelbe vom Ei haben will. Bleiben wir
realistisch und bedenken, dass in Japan viele Faktoren in einem umstrittenen
Gebiet sich ergeben haben- ein sogenannter schwarzer Schwan, also etwas was
nicht für möglich gehalten wurde.
Die Sicherheitsvorkehrungen wurden erstellt, reichten aber nicht aus. Ein Tsunami und ein Erdbeben innert kürzester Zeit, liess kein Erbarmen zu. Doch dass wir gerade jetzt reagieren und unsere Atomenergie überdenken müssen ist doch ziemlich erbärmlich. Äpfel mit Birnen zu vergleichen integriert sich langsam in unserem Mainstream.
...Und statt
gegen die bestehenden AKW`s zu kämpfen, die ganz sicher nicht abgebaut werden
meine Freunde, sucht nach Lösungen und bedenkt immer UNTER WELCHEN UMSTÄNDEN so
etwas passiert ist und nicht WEGEN WEM! Schuldenböcke sind viel zu leicht zu
finden.
Koile

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