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Montag, 14. März 2011

Tschernobyl, Japan, Schweiz, Welt(untergang)


Die Bücher haben sich vor meinem Macbook platziert und schauen mich an, als hätten sie nichts anderes zu tun. Elektrotechnik, NIN, Fachzeichnen und all dieser ganze Mist. Lernstoff für Menschen, die sich den Normen der Technik hinknien wollen. Statt zu lernen kann ich abgesehen von Katzen und Seelenengeln an nichts anderes denken als an das Chaos, dass sich momentan auf unserem Planeten abspielt. Das Jahr 2011, ein Vorspiel zum totalen Terror- sei es in der Wirtschaft wie auch Ökologisch. Die Lage ist prekär im Osten, die Leute frustriert, da die Folgen des Fortschritts für Energie und der Leichtsinn der Menschheit ihre Existenz geraubt haben.
Als ich heute in der Schule sass und gequirlte Scheisse in meine Ohren bekommen musste von Spannungsdämpfungen und LNB`s, jagte es mir einen dicken Stein in meinen Hals. Kein Wort verlor er über Japan, kein Laut liess er über diese Katastrophe- unser Lehrer. Alles war ziemlich üblich, als wäre nichts geschehen. Als ziehe sich ein konstant verlaufendes Band durch sein Leben. Ich kriege tagtäglich Blut und Tod zu sehen, jedenfalls im Fernsehen, doch irgendwie kommt mir dies immer noch so surreal vor.
Mir ist klar, dass meinem Lehrer sein Fach nicht der Allgemeinbildung entspricht. Mir ist ebenfalls klar, dass er seinen verfluchten Stoff mit uns durchgehen muss. Doch was mich zutiefst stört, lässt sich durch moralisch nicht korrekte Aspekte definieren. Japan liegt zwar ziemlich weit entfernt. Doch was dort passiert ist, ist eine globale Katastrophe, die zur Prävention unserer atomaren Energie aufruft. Die Menschheit hat in diesen Tagen bewiesen, dass wir anstatt vorzubeugen, doch nur reagieren können. Unser aller Leben hängt leider doch nur an einem seidenen Faden und nicht an einem Hanfseil- wir sind nicht unsterblich. Doch da wir einen rasanten Fortschritt „erleiden“ müssen, gehen wir auch die Risiken ein, mit denen wir Poker spielen. Strip-Poker um die Welt, denn langsam heisst es; „Hosen runter“. Mein Lehrer verlor immer noch kein Wort darüber und prahlte weiter von „DB-MykroVolt“ und liess uns unsere Aufgaben weiterhin lösen. Ich versuchte jetzt meinen Taschenrechner rauszuholen und mich auf dieses Fach zu konzentrieren. Keine Chance. Stattdessen möchte ich jetzt nichts anderes als nach Japan fliegen, um die Lage dort selbst beurteilen zu können. Doch da meine Möglichkeiten begrenzt sind und ich nicht als internationaler Korrespondent arbeite- mit einer Sonderbewilligung zum Luftverkehr natürlich, sitze ich immer noch im Schulzimmer. Müde Stimmung liegt in der Luft, die seelische Abwesenheit ist meinen Schulkameraden leicht anzusehen. Sogar die herumschwirrende Eintagsfliege scheint mehr Aufmerksamkeit geschenkt zu bekommen als unser Diktator vor der Wandtafel. Ja auch er scheint nicht sonderlich begeistert darüber zu sein, hier zu stehen und uns etwas vorzutragen, was er schon seit 20 Jahren behandelt- als würde er auf seine Pensionierung beharren.


Dennoch...

Tschernobyl
Auch wenn ihr euer schlechtes Gewissen mit „Ach Japan, unser Herz gehört euch“, oder Anti-atomaren Aufrufen im Internet besänftigt, bleibe ich immer noch verwirrt darüber, wie schnell wir unsere Meinung, die wir doch seit Jahrzehnten beibehalten haben ändern. Unsere Sichtweise ist wohl schneller umzulenken als wir alle gedacht haben.
Neulich erwähnt man Aussagen von gewissen Bürgern die sich einer Abschaltung aller AKW`s anschliessen würden. Ich möchte ihre Gesichter sehen, wenn sie kein Strom mehr in ihrer armseligen Wohnung mehr hätten und rumjammern. Eine widersprüchliche Konsumgesellschaft die nur immer das gelbe vom Ei haben will. Bleiben wir realistisch und bedenken, dass in Japan viele Faktoren in einem umstrittenen Gebiet sich ergeben haben- ein sogenannter schwarzer Schwan, also etwas was nicht für möglich gehalten wurde. 
Die Sicherheitsvorkehrungen wurden erstellt, reichten aber nicht aus. Ein Tsunami und ein Erdbeben innert kürzester Zeit, liess kein Erbarmen zu. Doch dass wir gerade jetzt reagieren und unsere Atomenergie überdenken müssen ist doch ziemlich erbärmlich. Äpfel mit Birnen zu vergleichen integriert sich langsam in unserem Mainstream.
...Und statt gegen die bestehenden AKW`s zu kämpfen, die ganz sicher nicht abgebaut werden meine Freunde, sucht nach Lösungen und bedenkt immer UNTER WELCHEN UMSTÄNDEN so etwas passiert ist und nicht WEGEN WEM! Schuldenböcke sind viel zu leicht zu finden.

Koile

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